Kastration bei der Hündin
Die Hündinnenkastration ist unter Tierbesitzern immer noch ein heiß diskutiertes Thema. Hier einige Fakten und abschließend unsere Meinung dazu.
Als Besitzer einer Hündin haben Sie drei Möglichkeiten, mit dem zyklischen
Geschlechtsgeschehen umzugehen.

Das einfache Geschehenlassen des Zyklus ist sicherlich die natürlichste
Art, mit dem Thema umzugehen, bei Besitzern mit Wunsch auf Nachzucht auch
die sinnvollste. Bei allen anderen ist aber neben den Unannehmlichkeiten
durch aufdringliche Rüden, vollgekleckerte Teppiche, das ständige Aufpassen
während der Stehphase und häufig auftretende Probleme mit Scheinträchtigkeiten
folgendes zu bedenken: Eine nicht kastrierte Hündin kann eine
Gebärmuttervereiterung entwickeln, was im Endeffekt zu einer Operation
zwingt. Dabei wird dann ein meistens älterer und kranker Hund operiert, das
Risiko ist also deutlich höher, insbesondere weil die Gebärmuttervereiterung
oft schleichend beginnt und daher auch von fürsorglichen Besitzern erst spät
erkannt wird. Wenn ich die Patientin nicht operiere, weil schon zu krank
oder aus anderen Gründen, stirbt sie.
Außerdem ist bei nicht oder erst später kastrierten Hündinnen das Risiko,
Brustkrebs zu bekommen, gegenüber der Gruppe der früh Kastrierten sehr stark
erhöht. Brustkrebs macht auch eine lange und für den Hund unangenehme,
kostspielige Therapie nötig. Die Gesäugeleiste wird in einem sehr viel
längeren Schnitt entfernt, als bei der Kastration nötig und diese ist dann
trotzdem noch anzuraten. Bei später therapiertem Mammatumor ist außerdem das
Risiko von Sekundärtumoren in verschiedenen Organen nicht zu unterschätzen.
Diese sind dann in der Regel nicht mehr zu entfernen.
Die Hormontherapie ist insofern vorteilhaft, als dass sie das zyklische
Geschehen äußerlich unterdrückt, also keine Läufigkeit, Trächtigkeit,
Scheinschwangerschaft mehr. Sie kann aber das Brustkrebsrisiko nicht
verringern und die Gefahr der Gebärmuttervereiterung steigt sogar etwas an.
Außerdem ist sie, auf ein durchschnittliches Hundeleben gesehen, die teuerste
Variante.
Durch die Kastration, bei der wir Eierstöcke und Gebärmutter entfernen,
entfällt die Möglichkeit der Entzündung derselben. Das Brustkrebsrisiko ist
sehr stark verringert, wenn ich die Hündin bis zu zwei Jahren Lebensalter
operiere. Als Nachteile sind folgende aufzuzählen:
Der wichtigste Nachteil der Kastration ist unserer Meinung nach das erhöhte Risiko der Urininkontinenz. Betroffen hiervon sind vor allem Hündinnen über 20 kg Gewicht und Boxer. Es kommt auch bei nicht kastrierten Hündinnen und auch bei Rüden im Alter bisweilen zum Urintröpfeln, aber die kastrierten Hündinnen sind etwas häufiger betroffen. Man bekommt das Problem in der Regel mit Medikamenten schnell wieder in den Griff, aber es macht eben eine Behandlung notwendig. Bei einer Operation ist es wie mit einem Medikament: Die erwünschte Wirkung muß wichtiger sein als die in seltenen Fällen zu befürchtende Nebenwirkung, dann entscheide ich mich dafür, sonst nicht.

Zusammenfassend betrachtet raten wir bei der jungen gesunden Hündin, die keinen Wurf bekommen soll, trotz der oben genannten Risiken zur Kastration.